Jeden Tag fragt man sich: „Welche Sau wird heute durchs Dorf getrieben?“ Seit Monaten rotzen vor allem Union und Arbeitgeberverbände jeden populistischen Hirnfurz in die Notizblöcke der Medienschaffenden. Nicht, weil sie dringend wären, sondern weil sie perfekt ablenken. Von den echten Problemen, die im Theaterdonner untergehen, während alle über „faule Arbeitnehmer“ oder „missbräuchliche Krankschreibungen“ streiten.

Da wäre zuletzt der Vorstoß der CDU, den Rechtsanspruch auf Teilzeit abzuschaffen, weil angeblich alle nur noch faulenzen wollen. Was sie verschweigen: warum soll ich mich für andere lang machen, bei mir kommt davon kaum was an. Und dass der Fachkräftemangel nicht dadurch gelöst wird, dass man Leute in die Vollzeit zwingt, sondern durch bessere Löhne und flexible Modelle. Aber hey, warum die eigentlichen Probleme angehen, wenn man stattdessen Arbeitnehmer als Sündenböcke hinstellen kann?

Dann die Forderung nach Abschaffung der Lohnfortzahlung ab dem ersten Krankheitstag, weil ja alle nur simulieren. Als ob kranke Menschen nicht tatsächlich Erholung bräuchten – oder als ob Ansteckungen im Büro kein Problem wären. Wer profitiert? Die Krankenkassen, die weniger zahlen müssen nicht, denn im Zweifelsfall sind die Folgekosten durch verschleppte Erkrankungen höher. Wer leidet? Die, die wirklich krank sind. Aber Hauptsache, man kann wieder mal „die Faulen“ an den Pranger stellen.

Und zuletzt der Kreuzzug gegen Homeoffice, weil alle zu Hause angeblich nur Netflix gucken. Dabei zeigen Studien längst: Full-Remote-Kolleg:innen arbeiten oft mehr – nur ohne Pendelstress. Aber wer braucht schon moderne Arbeitsmodelle, wenn man stattdessen Präsenzkultur und Bürokratie feiern kann?

Es ist Ablenkung. Während wir uns über diese künstlich aufgeblähten Debatten streiten, werden die wahren Skandale ignoriert: der Pflegenotstand, die verpasste Digitalisierung, die klimapolitische Untätigkeit, die bröselnden Sozialversicherungen. Diese Lautsprecher haben nicht den Willen oder nicht die Fähigkeit, tatsächlich etwas zu tun. Also beleidigen sie tagtäglich alle jene, die ihren ach so fleißigen Lebensstil alimentieren.

Behaltet das im Hinterkopf, wenn wieder einer dieser Minderleister in irgendein Mikrofon rülpst.