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Weimer weiß also nur, dass observiert wurde und Aktennotizen existieren. Wenn das reicht, geschäftsschädigende Verdächtigungen in die Welt zu setzen, handelt Weimer im Geist des Polizeirats Knarrpanti aus E.T.A. Hoffmans „Meister Floh“. Der meinte einst, wenn ein Verbrecher ermittelt worden sei, finde sich das Verbrechen von selbst. Welche Gefahren für die Verfassung allerdings von Lesungen und Buchbestellungen ausgehen sollen, müsste Weimer den Bürgern schon erklären. Die Auskunft, es liege „etwas“ vor, verkauft sie für dumm.
Nach dem törichten Vorgehen im Fall der Berlinale und ihrer Chefin, als Weimer um die politische Ohrfeige, die er am Ende erhielt, nachgerade zu betteln schien, ist das binnen Kurzem der zweite Unfall seiner Amtsführung im Bezirk der Meinungsfreiheit. Deren Weite liegt ihm angeblich am Herzen. Er scheint aber keinen Begriff von ihr zu haben und zerschlägt deshalb fortlaufend Porzellan. Es ist nicht die Weltkugel, die schwankt, und nicht die Verfassungstreue der Buchhändler, sondern die Gesinnung des Ministers.



Unfall impliziert ein Versehen, Unaufmerksamkeit oder ähnliches. Ich bezweifle, dass das keine Absicht ist.