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    5 months ago

    Der Publizist Michel Friedman sollte in Klütz im Literaturhaus auftreten, wurde auf Veranlassung von Bürgermeister Jürgen Mevius jedoch wieder ausgeladen. Nach massiver, bundesweiter Kritik kündigte der 71-Jährige seinen Rücktritt an.

    Der Klützer Bürgermeister Jürgen Mevius (Unabhängige Wählergemeinschaft) tritt zum 31. Oktober zurück, wie er dem NDR bestätigte. Vorab gab es bundesweit massive Kritik an der Ausladung von Michel Friedman. Im Oktober kommenden Jahres sollte der Publizist im Literaturhaus “Uwe Johnson” anlässlich des 120. Geburtstages von Hannah Arendt über Demokratie sprechen. Die Stadt Klütz (Landkreis Nordwestmecklenburg) sagte den Auftritt jedoch ab. “Was mit der schlichten Absage eines Termins, für den es noch keinen Vertrag und keine gesicherte Finanzierung gab, begann, wurde zu einer Verleumdungskampagne gegen mich und die gesamte Stadtvertretung, ja sogar gegen die ganze Region”, teilte Mevius in seiner Rücktrittserklärung mit. Widersprüchliche Angaben zu Gründen

    Über die Gründe zur Ausladung gibt es widersprüchliche Darstellungen. Jürgen Mevius gab zu hohe Kosten für Friedmans Honorar und Übernachtung an. Berichten, wonach die Absage aus Angst vor Protesten aus der rechtsextremen Szene oder durch Hamas-Sympathisanten erfolgt sei, widersprach er. Diese Begründung hatte der Leiter des Literaturhauses, Oliver Hintz, genannt, als er die Ausladung am Mittwoch bekannt gab: “Ich halte es für einen Skandal, Räume zu schaffen, in denen nicht mehr offen gesprochen, gelesen werden kann.” Hintz hatte zudem erklärt, dass der Gemeinderat mehrheitlich gegen die Veranstaltung gestimmt habe, obwohl die Kosten durch externe Sponsoren übernommen worden wären. Er wies darauf hin, dass neben den finanziellen Bedenken auch ein interner Streit um Friedmans früheren Lebensstil eine Rolle gespielt habe. Mevius: “Falsche Interpretationen und falsche Fakten”

    Mevius spricht in seiner Rücktrittserklärung von “falschen Interpretationen und falschen Fakten”, die Hintz “bewusst an die Öffentlichkeit” gebracht hätte. “Die Reaktionen in den Medien überschlugen sich mit Anschuldigungen, Unterstellungen, Anfeindungen und falschen Rückschlüssen gegenüber meiner Person und den Stadtvertreterinnen und Stadtvertretern. Jegliche Klärungsversuche unsererseits wurden überhört”, heißt es in der Erklärung von Mevius.

    Das entspreche keinesfalls seinen Grundsätzen und Einstellungen zu Demokratie, Meinungsfreiheit, Toleranz, Akzeptanz anderer Meinungen und Respekt gegenüber Mitbürgern. Zum Schluss schreibt Mevius in seiner Erklärung: “Ich habe mich 35 Jahre ehrenamtlich in der Kommunalpolitik in unserer Region engagiert, davon fast 30 Jahre als Bürgermeister und sehe durch diese Aktion meine Leistungen und die der Stadtvertreterinnen und Stadtvertreter diffamiert und in den Schmutz getreten. Für mich gibt es da nur die Konsequenz des Rücktritts.” Max Gagzow (SPD), zweiter Stellvertreter des Bürgermeisters, sagte dem NDR, dass er den Rücktritt von Mevius zutiefst bedaurt.