Hallo Schwarm,
im Wahl-o-mat wird unter anderem die Einführung von Tasern für die Polizei (in BW) thematisiert.
Jetzt hab ich mich länger nicht mit dem Thema auseinandergesetzt. Das letzte mal dass ich mich damit beschäftigt hatte, hatte ich den Eindruck, dass der Einsatz eher kritisch zu sein scheint. Dies ist dazu bei mir hängen geblieben:
- Sind die Taser nicht unbedingt “nicht todlich”, sondern können vor allem bei Personen mit Vorerkrankungen und in Ausnahmezuständen zu einem todlichen Einsatz führen.
- Führt die Ausrüstung mit Tasern dazu, dass die gefühlte Notwendigkeit zu deeskalieren gesenkt wird. Man hat ja ein " harmloses" Mittel sich zu verteidigen oder die Situation zu beenden.
Was sind eure Gedanken dazu, bzw. Was habt ihr in den letzten Jahren zur Einführung von Tasern gehört?


2024 hat ein Kardiologe der Uniklinik Köln im Auftrag der Landesregierung ein Gutachten erstellt, für das er internationale Studien zur Gefährlichkeit von Distanztasern (DEIG, Distanzelektroimpulsgeräte) verglichen hat, und kam im Gutachten zum Ergebnis, dass Taser zwar nicht völlig ungefährlich, aber deutlich weniger gefählich als Feuerwaffen sind.
https://www.tag24.de/justiz/polizei/gutachten-der-uniklinik-koeln-klaert-auf-wie-gefaehrlich-sind-die-polizei-taser-3332633
Aus dieser Sicht sind Taser daher zu befürworten und der Verwendung der Dienstpistole vorzuziehen. Für den Fall, dass der Taser nicht die gewünschte Mannstoppwirkung zeigt, ist es z.B. bei der Polizei NRW so, dass weitere Beamte den Tasereinsatz mit der Dienstpistole absichern, um schießen zu können, nachdem der Taser sich als wirkungslos herausgestellt hat (wichtig: erst tasern, dann schießen. Haben die Bullen bei der Zwölfjährigen neulich gleichzeitig gemacht).
Dazu habe gerade keine belastbare Quelle gefunden, lediglich Aussagen zu Befürchtungen über ein Sinken der Hemmschwelle. Es gibt zwar Berichte über einen Anstieg der Tasereinsätze, aber die scheinen nicht bereinigt zu sein im Hinblick auf die zunehmende Verbreitung von Tasern oder wie oft sie statt Pistolen eingesetzt wurden.
Anzumerken wäre hier ein gewisses Potenzial einer schwer bis nicht nachweisbaren Folter durch zu langes Tasern, insbesondere bei Geräten mit einem Kontaktmodus. Dem kann man aber technische Hindernisse (Entfernung des/Verbot von Geräten mit Kontaktmodus, maximale Impulsdauer pro Schuss o.ä.) entgegensetzen.
Darüber hinaus ist die möglicherweise sinkende Hemmschwelle vor allem ein Ausbildungs- und Trainingsproblem.
Zum Schluss noch ein ethisch fragwürdiger Ansatz: Taser bieten die Möglichkeit, mit relativ geringem Risiko die zukünftigen Anwender*innen am eigenen Leib zu demonstrieren, wie es sich anfühlt, getasert zu werden und so für Sensibilisierung zu sorgen. Wird mancherorts auch praktiziert. Ich bin mir über die ethischen Implikationen allerdings nicht sicher und finde Argumente für als auch gegen solche Praxis, und wie das Anwender*innen beeinflusst, die eventuell weniger sensibel für Taser sind, will ich auch nicht beurteilen.
Insgesamt werden Taser nicht die Probleme von Polizeigewalt, Racial Profiling, überauroritärem Auftreten usw. lösen. Aber sie können die damit einhergehenden Risiken verringern, gleichzeitig ist es mir lieber, wenn Menschen nicht erschossen, sondern “nur” betäubt werden, und Polizist*innen, die nicht gerne Menschen verletzen, sollte der Taser auch lieber sein als die Pistole. Und wenn man die tatsächlichen Probleme der Polizei vernünftig anginge und lösen wollen würde, sollten Tasee ein Puzzleteil in der Gesamtstrategie sein.
Um das festzustellen, muss man wirklich kein Kardiologe sein.
ist off topic aber diese Wissenschaftsfeindlichkeit in dieser Aussage nervt mich jedesmal. Wozu braucht man überhaupt Wissenschaft und Experten wenn das jeder Heiopei mit gEsUnDeM mEnScHenVeRsTaNd eh schon weiß.
Guter Kommentar. Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass man der Polizei die Mittel geben muss, um ihren Job gut zu machen. Gleichzeitig ist es aber auch unerlässlich, dafür zu sorgen, dass sie ihren Job auch tatsächlich gut machen und dazu gehört neben einer guten Ausbildung auch eine unabhängige Ermittlungsbehörde für und echte Konsequenzen bei Fehlverhalten, sowie Transparenz und wissenschaftliche Studien. Leider benötigt das echten politischen Willen und ist ein bisschen unbequemer als ein paar neue Spielzeuge zu beschaffen.
Was du aus dem Gutachten zitierst kann man ganz einfach sprachlich so ändern, ohne dass der Sinn sich ändert:
Gesundheitliche Folgeschäden kommen vor und sind unter Umständen schwerer als die Folgen durch Schusswaffengebrauch.
Das große Problem ist hierbei doch, dass man nicht weiss, welche Konsequenzen der Einsatz haben wird: Der eine fällt um, nichts passiert. Der andere schlägt sich den Schädel am Bordstein auf, der nächste hat ein schwaches Herz und steht nie mehr auf.
Dass du meinst, dass die Absenkung der Hemmschwelle lediglich eine Befürchtung sei, du dann aber doch den Einsatz des Tasers als Foltermethode für möglich hältst, finde ich absurd.
Du hast den Sinn der zitierten Aussage nicht verstanden. Ea geht um Häufigkeiten und statistische Erwartungen, nicht um Ungewissheiten im spezifischen Moment.
Und wieder verstehst du den Sinn der Aussage nicht. Natürlich ist es möglich, dass die Hemmschwelle für den Einsatz eines Tasers niedriger ist, als für den Einsatz einer Feuerwaffe. Heißt aber nicht, dass das auf einen statistisch signifikanten Teil der Beamten auch zutrifft, dafür fehlt der Nachweis. Und darüber hinaus ist das ein Problem, dem man mit Ausbildung und Training begegnen kann.
Gleichzeitig ist die Anwendung des Tasers als Folterinstrument eine technische Möglichkeit. Eine Aussage über die Wahrscheinlichkeit oder Häufigkeit, mit der das in der Realität auftritt, habe ich aber nicht gemacht.
Verstehst du diese relevanten Unterschiede?
Lass mal den patronising Ton.
Die zitierte Aussage so wie meine sprachliche Änderung beziehen sich auf die statistischen Erwartungen, yo.
Danach! spreche ich den spezifischen Moment an.
Am Ende dann, tja, hast du auch nichts zur statistischen Wahrscheinlichkeit zu sagen, weil du’s nicht weisst. Genau so wie du nicht weisst wie oder ob das Teil als Folterinstrument Verwendung fände.
Es ist eine Befürchtung dass die Hemmschwelle sinkt, genauso wie das Foltern eine ist.
Nein, du nimmst keinerlei Bezug auf die Statistik sondern konstruierst mit deiner sorachlichen Änderung “Umstände”, also spezielle Fälle.
Spezifische Momente sind im Gesamtbild aber nur in ihrer statistischen Häufung relevant. Und die statistische Häufung spezifischer Fälle, bei denen der Tasereinsatz direkte oder indirekte Folgeschäden verursacht, ist signifikant geringer als beim Einsatz der Dienstpistole.
Willst du mir jetzt vorwerfen, dass ich mir nichts aus den Fingern sauge sondern auf die unzureichende Datenlage hinweise, wenn gerade die unzureichende Datenlage mein Argument ist? Was zum Henker versuchst du hier?
Hab ich auch nicht behauptet, oder?
Bist du irgendwie verwirrt, dass du hier über eine Ausführung gestolpert bist, die nicht im schwarz/weiß-Schema formuliert ist sondern halbwegs nuanciert die Datenlage zusammenfasst, um meine Position etwas detallierter zu erklären, inklusive der zu beachtenden Vorbehalte? Bist du das nicht mehr gewöhnt? Was für einen Plan hast du eigentlich?